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Farbanomalien der Haare – meist kein Grund zur Sorge

Farbanomalien der Haare gehören zu dem Oberbegriff der Haaranomalien oder Haarveränderungen. Einige dieser Arten sind genetisch bedingt, während andere erst im Alter auftreten. Wie kommt es zu diesen Veränderungen und wie ernst sind sie zu nehmen? Gibt es Behandlungsmöglichkeiten, die man in Anspruch nehmen kann?

Was sind Farbanomalien der Haare?

Im Normalfall haben die Haare des Menschen eine gleichmäßige Farbe. Diese ist genetisch bedingt. Die Haare bestehen aus:

  • Haarschaft, der aus der Haut herausragt und sichtbar ist
  • Haarwurzel, die das Haar in der Haut verankert
  • Haarzwiebel oder Haarmatrix als knollenartige Verdickung der Haarwurzel

Jedes Haar besteht aus drei Schichten. Die Schicht im Inneren der Haare wird als Haarmark bezeichnet. Es handelt sich dabei um schwammartige Zellen. Um dieses Mark herum befinden sich verhornte Faserzellen. Sie machen den Hauptbestandteil der Haare aus. Die äußere Schicht des Haares dient zum Schutz der Haare. Sie ist mehrlagig, aber dünn und durchsichtig. Daher ist das Pigment der Haare, das für die Farbe verantwortlich ist, durch diese Schicht sichtbar.

Die Haare unterliegen einem natürlichen Alterungsprozess und ergrauen bei den meisten Menschen mit zunehmendem Alter. Das Ergrauen im Alter ist völlig normal und wird als Canities bezeichnet.

In der Haarmatrix befinden sich Melanozyten, die für die Produktion des Haarpigments zuständig sind. Diese bilden das Enzym Tyrosinase, welches aus der Aminosäure Tyrosin den Farbstoff Eumelanin herstellt.

Bei Menschen mit rötlichem oder blondem Haar bildet das Enzym Tyrosinase durch eine Synthese aus Cystein den Farbstoff Phaeomelanin. Durch den Alterungsprozess produzieren die Melanozyten immer weniger Melanin, bis sie schließlich absterben. Die Folge sind graue Haare.

Fehlt Melanin, lagern sich Luftbläschen in den Haaren ein. Sie lassen die Haare grau oder weiß aussehen. Dieser Prozess beginnt bei den meisten Menschen an den Schläfen oder am Bart. Er setzt sich dann über den gesamten Kopf fort und kann auch Augenbrauen, Wimpern und Körperhaare betreffen.

Chemische Zusammensetzung von Melanin

Ursachen der Farbveränderungen

Die Ursache der meisten Farbanomalien ist der Alterungsprozess, der mit einem Nachlassen der Melaninproduktion verbunden ist. Wann das Ergrauen einsetzt, ist genetisch festgelegt. Bei einigen Menschen lässt die Melaninproduktion bereits vor dem 20. Lebensjahr nach. Dieses vorzeitige Ergrauen wird als Canities praecox bezeichnet. Andere Menschen haben noch mit über 50 Jahren ihre natürliche Haarfarbe.

Äußere Faktoren können das Ergrauen der Haare begünstigen:

  • Verschiedene Erkrankungen wie Schilddrüsenerkrankungen, schwere Infektionen oder Krebs
  • Mangel an Vitaminen oder Mineralstoffen
  • verschiedene Medikamente, beispielsweise Hydroxychloroquin zur Behandlung von Malaria
  • Einfluss von Chemikalien
  • Lebensumstände, beispielsweise Rauchen oder ungesunde Ernährung
  • Übersäuerung des Körpers durch die Aufnahme falscher Lebensmittel

Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass auch verschiedene Erlebnisse wie Kummer, Sorgen oder Schockzustände zum Ergrauen der Haare führen können. Entsteht der Eindruck, dass die Haare über Nacht grau geworden sind, liegt das meistens am kreisrunden Haarausfall, bei dem sich etwa münzgroße kahle Areale bilden.

Verschiedene Arten von Farbveränderungen

Neben dem Ergrauen gibt es noch verschiedene weitere Farbanomalien der Haare, die nicht auf den Alterungsprozess zurückzuführen sind. Diese Veränderungen sind meistens genetisch bedingt. Die Ursache einer herdförmigen Weißfärbung der Haare (Poliosis) ist zumeist eine Pigmentstörung.

Diese Farbveränderung muss nicht krankhaft sein. Allerdings kann sie auch als Begleiterscheinung verschiedener Erkrankungen wie Vitiligo, Neurofibromatose, tuberöser Sklerose oder vererbbaren Missbildungen auftreten. Sie kann auch durch Bestrahlungen der Haut, Entzündungen, Verletzungen oder Herpes Zoster (Gürtelrose) hervorgerufen werden.

Eine Haar-Heterochromie ist durch das Auftreten verschiedenfarbiger Haare an unterschiedlichen Regionen, beispielsweise Kopf und Bart, gekennzeichnet. Sie ist zumeist nicht krankhaft bedingt und kann in verschiedenen Varianten auftreten:

  • Piebaldismus, zumeist durch Ausbildung einer weißen Stirnlocke gekennzeichnet
  • Wechsel von hellen und dunklen Zonen entlang des Haarschaftes durch erhöhten Luftanteil im Markkanal
  • graue Knötchen an den Haarschäften, an denen die Haare brüchig sind

Der Piebaldismus ist genetisch bedingt und in den meisten Fällen gesundheitlich unbedenklich. Er kann auch mit Pigmentveränderungen der Haut verbunden sein. Der Piebaldismus kann auch eine Begleiterscheinung des von-Waardenburg-Syndroms sein, welches mit einer Hörbehinderung einhergeht.

Drei Haarpflegeprodukte

Behandlungsmöglichkeiten der veränderten Farben

Da Farbanomalien in den meisten Fällen gesundheitlich völlig unbedenklich sind, müssen sie nicht medizinisch behandelt werden. Nur dann, wenn bei einer herdförmigen Weißfärbung der Haare oder beim Piebaldismus eine Grunderkrankung vorliegt, ist eine Behandlung dieser Erkrankung erforderlich. Zum Arzt gehen sollten Sie auch, wenn Ihre Haare weißliche Knötchen aufweisen. Der Hautarzt kann die Ursache ermitteln und eine Behandlung vornehmen.

Das Ergrauen der Haare stellt für viele Menschen ein kosmetisches Problem dar. Eine medizinische Behandlung ist nicht möglich. Ist eine Übersäuerung des Körpers für das schnelle Ergrauen der Haare verantwortlich, können Sie dem Prozess mit dem Übergang zu einer basischen Ernährung entgegenwirken.

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit vielen Vitaminen und Mineralstoffen ist zwar generell zu empfehlen, doch bringt sie die Pigmente nicht wieder zurück. Sie kann jedoch in einem geringen Maße das Ergrauen verzögern.

Es gibt verschiedene Cremes und Shampoos, die über eine Wirkstoffkombination mit einer Melanin-Vorstufe verfügen, die wiederum mit Sauerstoff reagiert und zu einer Repigmentierung führen kann. Der Erfolg hängt davon ab, wie weit die Graufärbung Ihrer Haare bereits fortgeschritten ist. Die Behandlung mit der Creme oder dem Shampoo muss mehrmals wiederholt werden. Nicht immer kann das Haar wieder seine ursprüngliche Farbe annehmen.

Möchten Sie die grauen Haare wirksam kaschieren, können Sie zu einer Tönung oder Farbe greifen. Sie sollten beim Kauf des Produkts auf perfekte Grauabdeckung achten. Eine Tönung wäscht sich bei mehrmaligem Haarewaschen wieder aus, während Farbe beim Wachstum der Haare herauswächst. Stören Sie solche Farbanomalien nicht, müssen Sie hingegen nichts weiter tun.

Fazit: Veränderungen der Haarfarbe haben verschiedene Ursachen

Farbanomalien der Haare sind zumeist eine Folge des Alterungsprozesses. Die Produktion des Pigments Melanin geht zurück. In den Haaren lagern sich Luftblasen ein, die zu einer grauen oder weißen Farbe führen. Bei einigen Menschen kann das Ergrauen schon vor dem 20. Lebensjahr beginnen. Zumeist ist das gesundheitlich unbedenklich.

Verschiedene Erkrankungen, aber auch ein Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen oder eine Übersäuerung des Körpers können das Ergrauen begünstigen. Farbanomalien können auch genetischen Ursprungs sein. Hierbei treten unterschiedlich gefärbte Haare an verschiedenen Körperregionen oder auf dem Kopf auf. Eine solche Veränderung ist der Piebaldismus.

Eine Behandlung ist nur erforderlich, wenn die Farbveränderung zusammen mit einer Grunderkrankung auftritt. Ansonsten ist graues Haar eher ein kosmetisches Problem.

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